Dieser Artikel stellt die „Brüche“ der Er-
kenntniswege des Menschen seit Anfang
des 18. Jahrhunderts in der Idee Michel
Foucaults vor. Anhand des Konzeptes der
Episteme wird erklärt, wie sich der Mensch
von seiner subjektiven Eingebundenheit in
die „kosmische Ordnung“ trennte und
nach Foucault zunehmend als „objektiver,
aber toter Bestandteil“ von Erkenntnis-
systemen auftrat. Episteme sind Glaubens-
sätze der Wissenschaft, nicht hinterfragte
Grundprinzipien der jeweiligen Zeit.
Foucault selbst rückte in späteren Jahren
von dem Begriff der Episteme ab und
ersetzte ihn durch den des Dispositivs,
[… ein entschieden heterogenes Ensemble,
das Diskurse, Institutionen, architektoni-
sche Einrichtungen, reglementierende
Entscheidungen, Gesetze, administrative
Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen,
philosophische, moralische oder philan-
thropische Vorstellungen begleitet…]1). In
diesem Sinn bedeutet der Begriff den
gleichzeitig absoluten und relativen
Charakter jeder Erkenntnis, der dadurch
entsteht, dass wir versuchen, die Dinge
permanent einer Ordnung, bzw. Norm zu
unterwerfen. Die Dinge werden dadurch
zum Negativ ihrer begrifflichen Erschei-
nung – und müssen wie bei Hegel in der
notwendigen Relation zu einem konstru-
ierten Absoluten immer in Abhängigkeit
des Interpreten verbleiben. Der Mensch
im Zentrum seiner eigenen Untersuchun-
gen wird zu einem Phänomen, das sich
selbst permanent ab- und erschafft, der
durch den Geist der 2. Negation wie Hegel
sie nannte, das immer Wiederkehrende zu
erkennen glaubt, während das Positive
nur einmal passiert. In diesem Zwischen-
raum von Wiederholung und Einmaligkeit
entsteht die Vermittlung der „geistigen
Ideen“.
Episteme entstehen nach Foucault aus
dem Widerstreit von Denkrichtungen, die
versuchen, die Ideen ihrer Zeit in ideologi-
scher Weise zu untermauern und ihre
Sichtweise als die „Menschlichere“ anzu-
preisen, während sich ihre Paradigmen
gleichzeitig in der Wiederholung des
abgelehnten zu einer Zensur verabsolutie-
ren und pervertieren. In diesen Brüchen
des „Fortschritts“, die sich an bestimmten
Phasenpunkten des Weltgeschehens häu-
fen, spiegelt sich die Zerrissenheit des
menschlichen Daseins; Zeit seines Lebens
ging es Foucault, und das macht ihn sym-
pathisch, um die praktische Beschreibung
von Missständen der in Wissenschafts-
pathos und vorgebliche Humanität gehüll-
te Moderne.2) Der Machtanspruch aller
Diskurse kann nur im Widerstand der
sprachlichen Dekonstruktion, in der Auf-
lösung der den Diskurs bestimmenden
Mitteln, überhaupt bemerkt und seine
Repression spürbar werden, egal zu wel-
cher Zeit. Gerade in einer demokratischen
und humanistisch eingestellten Gesell-
schaft verschwimmen die Konturen der
Macht vor dem Hintergrund der vermeint-
lich ethischen Überlegenheit des Systems
und damit die Möglichkeit zu Kritik an der
Essenz überhaupt.
Im Übergang der Erkenntnissysteme spie-
gelt sich das Schicksal derjenigen, die den
Schnitt nicht vollzogen haben, deren
Denken sich nicht an die Gegebenheiten
anpassen wollte oder konnte, weil für sie
im Theoriemix die eigene Position nicht
klar formulierbar erschien, weil dort,
[…wo Zeichen sind, nicht mehr der
Mensch sein kann, und dort wo man
24 sternzeit 49/2011
Andreas Bleeck:
Foucault und die Episteme
des „großen Zyklus“
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 22Zeichen zum Sprechen bringt, der Mensch
schweigen muss…] 3). Die epistemischen
Brüche der Erkenntnissysteme sind mit
einem anderen Begriff Foucaults äquiva-
lent: dem der Heteropien, Räume in Räu-
men, die andere Formen der Kommuni-
kation schaffen und quer zur normalen
Ordnung liegen, angefangen von den
Mönchszellen, über Friedhöfe, Schiffe,
Bordelle, Wartezonen von Flughäfen,
Atomkraftwerke, bis zu den Räumen der
wissensvermittelnden Lehranstalten. Sie
verbinden [… fundamentale Codes einer
Kultur, …die Sprache beherrschen… und
auf der anderen Seite… die wissenschaft-
lichen Theorien und Erklärungen der
Philosophie, die die Ordnung des Denkens
deuten…]4). Mit der Industrialisierung und
Mechanisierung der Arbeitsabläufe entste-
hen zunehmend Zonen, die für das Leben
gleichzeitig wichtig sind durch ihren ord-
nungsschaffenden Charakter, gleichzeitig
aber auch zur Verdrängung und Entwurze-
lung einladen. Auch die Abgesondertheit
des wissenschaftlichen Denkens wird
durch Räume geprägt, die das Besondere
im Normalen darzustellen versuchen. Seit
die Humanwissenschaften und Psycholo-
gie den Menschen selbst im Ziel ihrer
Untersuchung haben, wird das in die ver-
drängten Räume abgesonderte „Abnor-
male“ psychologisiert und dem „Standard
des Normalen“ entgegengesetzt. Das
Denken des Menschen dreht sich immer
mehr um etwas Konstruiertes, das sich
mangels gemeinsamer Erlebensräume
zu subjektiven Standards entwickelt, die
dem objektiv-rationalen Anspruch von
Wissenschaft und Technik seltsam ge-
genüber stehen.
Foucault analysiert die gegenseitigen
Auswirkungen der zu Beginn des 18. Jh.
neuen wissenschaftlichen Methoden in
Biologie, Medizin, Ökonomie, Grammatik,
Psychologie u. a., die allesamt die Taxie-
rung und Klassifizierung menschlicher
Leistung nach dem Vorbild wissenschaftli-
cher Einordung zum Ziel haben und ein
Bild des Menschen als Funktionsteil dieser
Systeme in seinen speziellen Räumen her-
vorbringen, das historisch vollkommen
neu ist. Die „Episteme des neuen Den-
kens“ ziehen sich wie rote Fäden durch
Foucaults Bücher; in der medizinisch-psy-
chiatrischen Beschreibung des Körpers in
seiner produktiven Organfunktion, in der
systematischen Überwachung von Gefan-
genen und deren Erziehung zur Produkti-
vität, in der statistisch-soziologischen Un-
tersuchungen der Irren, Kranken, Arbeits-
unfähigen und Aufsässigen, die ab dem
18. Jh. unterschiedlich verwahrt und „trai-
niert“ werden 5) und deren statistische
Daten das Zahlenmaterial zur Definition
eines „gesunden Menschenbildes“ her-
vorbringen, in der „Eschatologie“ der marx-
istischen und positivistischen Ideologien,
sowie in der Beschreibung der „sexuellen
„Perversionen“ im Zuge der Schaffung
eines „gesunden Menschenbildes“ nach
wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Foucault beobachtet eine Parallele dieser
Klassifikationen in den sozialen Wissen-
schaften zu denen in der Ökonomie,
Grammatik und in naturwissenschaftlichen
Fächern, vor allem der Biologie, die ab dem
18. Jh. lexikalisches Wissen ohne Unterlass
produziert. In seinem ersten Buch „Ge-
schichte der Klinik“ geht Foucault der Frage
nach, inwiefern die Einrichtung von Irren-
anstalten das Denken der Moderne verän-
dert hat. Er analysiert alle in Frankreich
verfügbaren Dokumente zwischen 1770
und 1820. Mit der französischen Revo-
lution wurden 1793 Millionen eingesperr-
ter Menschen befreit. Während zuvor
„Wahnsinnige“, Verbrecher, Libertins und
politische Gefangene in denselben Ge-
bäuden untergebracht wurden, schuf der
französische Staat eigene Unterbringungs-
einrichtungen. Für die psychisch Kranken
bedeutete diese „2. Einsperrung“, wie
Foucault sie nannte“ eine Stigmatisierung,
die fortan das Bild des Menschen verän-
dern und im Namen der „Humanisierung“
ein „gesundes“ Menschenbild als Negativ
des Wahnsinns zeichnen sollte.6) Foucault
weist akribisch nach, wie die Begriffe aus
Wirtschaft, Biologie und Medizin ähnli-
chen Kategorisierungen wie denen der
Psychiatrie folgen und sich gegenseitig
„befruchten“; als Beispiel sei das Epistem
der Darwin’schen Formel der „Auswahl
der Besten“ genannt, die von Darwin
selbst anders gemeint war (als Anpassung
an Nischen).7) Ausgehend von den Berei-
Episteme entstehen
nach Foucault aus
dem Widerstreit von
Denkrichtungen,
die versuchen, die
Ideen ihrer Zeit in
ideologischer Weise
zu untermauern und
ihre Sichtweise als
die „Menschlichere“
anzupreisen,
während sich ihre
Paradigmen
gleichzeitig in der
Wiederholung des
abgelehnten zu
einer Zensur
verabsolutieren und
pervertieren.
25sternzeit 49/2011
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 23chen der Medizin und Psychologie weite-
ten sich Überwachung, Einsperrung,
Segmentierung, Klassifizierung, Vermes-
sung und Kategorisierung auf Wirtschaft,
Soziologie und Politik aus. Was an Daten
über die Gesellschaft gewonnen wurde,
stammte vorwiegend aus psychiatrischen
Anstalten, Kasernen, Gefängnissen und
Krankenhäusern. Die Prozedur der Dressur
in diesen Anstalten war ein Vorbild für die
ökonomischen Produktionsprozesse –
Manufakturen, Universitäten und Schulen
wurden zunehmend drillmäßig betrieben
und zielten immer mehr auf, eine „Kunst
der Zusammensetzung der Kräfte zur
Herstellung eines leistungsfähigen Appa-
rates“.8) Die Organisation der gegenseiti-
gen Beobachtung lässt das System funk-
tionieren, sie macht die Macht vor allem in
Umerziehungsanstalten effizient, wo es
um das Erlernen eines „gesellschaftlich
tolerierbaren Verhaltens“ geht.9) Aufgabe
des Arztes war es, die Symptome der
Krankheit so zu lesen, dass sie als Exem-
plar einer biologischen Art klassifiziert und
damit ihr wesenhafter Verlauf vorausge-
sagt werden konnte. Der Einschluss der
Körper garantiert die Überwachung ihres
In- und Outputs vergleichbar den biolo-
gisch-zellulären Konzepten. Die Parzellie-
rung, die Zuweisung eines festen Platzes
lässt immer eine Kontrolle der Leistung
und der „Norm“ zu. Schließlich wird die
Nachahmung der vermeintlichen Hierar-
chien der Natur, eine Klassifikation der
Menschen nach Güte des systemimma-
nenten Verhaltens zur Bestimmung. Das
Denken in Biologie, Medizin, Psycho-
logie, Ökonomie bildet sich auf die Spra-
che ab, welche wiederum Einfluss auf das
Geschehen in der Politik und die Defini-
tion eines vermeintlich sozialen, humani-
stischen Wesens hat, das in Wirklichkeit
Vollstrecker eines totalitären Systems ist.
Der Körper verliert seine ursprüngliche
Sinn- und Zeichenhaftigkeit, […das Bild
des „Wahnsinnigen“ nimmt nunmehr die
Eigenschaft eines Spiegels an, in dem der
moderne Mensch seine primitiven Wün-
sche, seine einfachen Mechanismen, die
dringlichsten Bestimmungen seines Körpers
erkennt…]11). Das Wissen schlägt in Macht
um. Die Techniken zur Kontrolle und
Manipulation des menschlichen Körpers
und seiner Verhaltensweisen bestimmen
im Diskurs eine Anpassung an nicht hin-
terfragte Episteme des Denkens. Vor allem
die Sexualität wurde zu einem Unter-
suchungs-„Gegenstand“, die die Illusion
von gesunden und kranken Menschen in
der „Untersuchung“ intimer Handlungen
unter der Verselbstständigung der „Nor-
men“ nach wissenschaftlichem Muster
schufen und eine „Sozialisierung des Fort-
pflanzungsverhaltens“ anstrebten.
Foucault erkennt vor allem 4 Gruppen, die
dafür erkoren waren, den Machtdiskurs
der „befreiten Sexualität“ über sich erge-
hen lassen zu müssen:
1. Frauen, in der Unterstellung hysterischer
Verhaltensweisen.
2. Kinder, in der Unterstellung sexueller
Handlungen, die für Kinder gar nicht
sexuell sind.
3. Paare, die von den gegebenen monoga-
mischen Codizes abweichen.
4. „Perversionen“ in Form eines abwei-
chenden Verhaltens von dem nunmehr
festgelegten „Standard“.
Im Rahmen der einsetzenden „therapeuti-
schen Heilungen“ wurden ab ca. 1800 mit
der Einsperrung der „Wahnsinnigen“ in
eigene Kliniken Normen und Kategorien
geschaffen, die dem Individuum und sei-
nen individuellen Bedürfnissen entspre-
chen sollten, in Wirklichkeit aber einen
Homunculus im Reagenzglas schufen. An
diesem Bruch erscheint der moderne
Mensch als Spiegel des kategorisierten
Wahnsinns außerhalb der humanistischen
Ansprüche der ihn regulierenden Systeme,
wie Foucault es sieht, [… alle abgründigen
Möglichkeiten des Menschen, die eben
nicht das „ganz andere“, sondern viel-
mehr das „heimliche Eigene“ der mensch-
lichen Natur sind…]12).
Astrologisch gibt es eine Parallele zu der
Foucault‘schen Festlegung des Anfangs-
punktes der subjektschaffenden, mechani-
schen Kategorisierungen mit Beginn des
18. Jh. Die Konstellationen im Himmel
führen zwischen den Jahren 1800 und
2100 zu einer regelmäßigen Aspektbil-
dung der fünf äußeren Planeten, ein-
schließlich Chiron, dessen besondere Be-
deutung für die moderne Astrologie hier
Das Denken in
Biologie, Medizin,
Psychologie,
Ökonomie bildet sich
auf die Sprache ab,
welche wiederum
Einfluss auf das
Geschehen in der
Politik und die
Definition eines ver-
meintlich sozialen,
humanistischen
Wesens hat, das in
Wirklichkeit
Vollstrecker eines
totalitären Systems
ist.
26 sternzeit 49/2011
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 24eine mögliche Erklärung findet. Ein kurzer
Blick auf die abgebildete Zeitskala der
Aspektbilder zeigt, dass zwischen 1800
und 2100 Chiron- und Neptun-Aspekte
mit den Konstellationen von Saturn,
Uranus und Pluto zeitlich in prägnanten
historischen Abschnitten zusammenfallen.
Der „große Zyklus“ von
1800–2100: Chiron/Neptun
und Saturn/Uranus/Pluto
1794 Uranus Opp. Pluto Qua. Saturn
1799 Chiron Konj. Neptun
~1825 Saturn Opp. Uranus Konj.
Neptun Qua. Pluto Konj. Chiron (nur
zeichengenau)
1843 Chiron Opp. Neptun
1850 Saturn Konj. Uranus Konj. Pluto
1874 Saturn Opp. Uranus Qua. Pluto
1879 Chiron Konj. Neptun
~1899 Saturn Konj. Uranus Konj.
Chiron Opp. Neptun Konj. Pluto
~1930 Saturn Opp. Uranus Qua. Pluto
1945 Chiron Konj. Neptun
1966 Uranus Konj. Pluto Opp. Saturn
~1990 Saturn Konj. Uranus Konj.
Neptun Opp. Chiron (Sextil Pluto)
2009 Chiron Konj. Neptun
2010 Saturn Opp. Uranus Qua. Pluto
2045 Uranus Opp. Pluto Qua. Saturn
2049 Chiron Opp. Neptun
2095 Chiron Konj. Neptun
2100 Uranus Konj. Pluto Opp. Saturn
Vereinfacht (die Auslösungen für ein Zu-
sammenspiel von mehr als 2 Planeten las-
sen keine exakte Festlegung der Zeit-
punkte zu) 1800, 1825, 1850, 1875,
1900, 1930, 1945, 1966, 1990, 2010,
2048, 2096. Jede Konstellation kann
innerhalb dieser Art Erkenntnis auf zwei
verschiedene Arten gesehen werden, ein-
mal als Analyse seiner Bestandteile und
einmal als Synthese eines übergeordneten
Zyklus. Eine solche Konstellation des
„großen Zyklus“, wie ich ihn nennen
möchte, hat ähnlich den Kontradieff-
Zyklen eine „Periodik der wissenschaftli-
chen Quantensprünge“ mit den dazu
gehörigen Änderungen in der Weise der
Erkenntnis. Alle 25–30 Jahre erscheinen
seit 1800 regelmäßig Wechsel der Er-
kenntnisse, die weitreichende ökonomi-
sche und gesellschaftliche Folgen haben.
Die „harten Planeten“ Saturn, Uranus und
Pluto bilden im Wechsel mit den „weichen
Planeten“ Chiron und Neptun größere
Figuren, die von der Ambivalenz und
Gegensätzlichkeit der beteiligten Planeten
leben. Im 19. und 21. Jh. befinden sich die
Oppositionen und Konjunktionen von
Chiron und Neptun immer in zeitlicher
Nähe zu den „großen“ Figuren von
Saturn, Uranus und Pluto. Im 20. Jh.
kommt es zu einem „Bruch im Bruch“.
Saturn, Uranus und Pluto markieren die
Wendejahre 1933, 1966 und 1990 (ohne
Pluto), Chiron und Neptun halbieren das
Jahrhundert in ihrer einzigen Konjunktion
im wegweisenden Jahr 1945. Im Jahr
2010 kommen die Figuren wieder zusam-
men und beschreiben das, was wir in der
„kardinalen Klimax“ als Höhepunkt dieses
Zyklus erkennen können, weil sie auf den
Anfangsgraden der kardinalen Zeichen
stattfindet. Die Härte des T- Quadrats von
2010 ist nicht zu überbieten, während die
Weichheit der Chiron/Neptun-Konjunk-
tion zwei Jahre zuvor, begleitet vom
Jupiter im Übergang zum Zeichen Fische,
kaum weicher sein könnte.
Die Foucault‘sche Kritik moderner Er-
kenntnisweisen ist für mich eine gute
Übersetzung dieser Konstellationen, die
die Zerrissenheit des modernen Menschen
in seinem widersprüchlichen Streben nach
absoluter Ordnung (Saturn, Uranus, Pluto)
und Sehnsucht nach Eingebundenheit in
die universelle Ethik einer „besseren Welt“
(Jupiter, Neptun) spiegeln. Vom Marxis-
mus über den Positivismus und Existenzia-
lismus bis zu den Entwürfen des Neolibe-
ralismus wird der Mensch immer wieder
auf Denkweisen reduziert, gegen deren
Einverleibung er sich wehren muss, weil
sie die Subjektivität unterhöhlen und epi-
stemische Ursachen zu Grunde legen, die
ihn in einer konstruierten Rationalität ein-
mauern. Nur in der konsequenten Analyse
des Diskurses auf seine Machtstrukturen
hin liegt nach Foucault die Möglichkeit,
den Fangarmen der Erkenntniswege von
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft usw. zu
entgehen, die allesamt ein „richtiges
Denken“ im Sinne von „humanen Zwe-
Astrologisch gibt es
eine Parallele zu der
Foucault‘schen
Festlegung des
Anfangspunktes der
subjektschaffenden,
mechanischen
Kategorisierungen
mit Beginn des
18. Jh. Die
Konstellationen im
Himmel führen
zwischen den
Jahren 1800 und
2100 zu einer
regelmäßigen
Aspektbildung der
fünf äußeren
Planeten,
einschließlich
Chiron, dessen
besondere
Bedeutung für die
moderne Astrologie
hier eine mögliche
Erklärung findet.
27sternzeit 49/2011
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 25Die Foucault‘sche
Kritik moderner
Erkenntnisweisen ist
für mich eine gute
Übersetzung dieser
Konstellationen, die
die Zerrissenheit
des modernen
Menschen in seinem
widersprüchlichen
Streben nach
absoluter Ordnung
(Saturn, Uranus,
Pluto) und
Sehnsucht nach
Eingebundenheit in
eine universelle Ethik
einer „besseren
Welt“ (Jupiter,
Neptun) spiegeln.
Symbolen und Metaphern einer Kultur
und Denkrichtung wie genetisch einge-
brannt erscheint, ist nur ein Abglanz der
ewigen Tätigkeit des Vergleiches, wie es
Foucault in seiner „Ordnung der Dinge“
beschreibt. Dieser Kern bedarf einer vor-
gefertigten Systematik, in deren Sinn er
erscheinen kann. Das Konzept von Män-
nern und Frauen als „sexuelle Positive“
beispielsweise erzeugt so lange sich selbst
erfüllende Erwartungen in der Serien-
bildung der dazu passenden Beispiele, bis
es zu einem entscheidenden Bruch aus
einer anderen Betrachtungsweise kommt
und sich die Spielarten der Natur in sich
verzweigenden und verschachtelten Wegen
personifizieren. Die „Dinge“ konstruieren
sich dadurch, dass wir sie beständig in
Serien von Ähnlichkeiten verpacken und
daraus Ordnungen ableiten, die wiederum
in Differenz zu der Ausgangsordnung
stehen müssen, um einen erkennbaren
Charakter zu bekommen; die Ehre eines
eigenen Symbols, einer Metapher oder
geistigen Denkrichtung wird nur der Idee
zuteil, die in der scheinbar unendlich glei-
chen Abfolge der Dinge einen erkennba-
ren Unterschied sehen kann.
Die folgende Aufzählung soll in Nach-
empfindung der Foucault‘schen Diktion
die Umdeutung des epistemischen Begriffs
bruchstückhaft erläutern. Episteme in der
Form der Begrifflichkeit, wie ich sie hier
vorstelle, zeichnen sich allgemein dadurch
aus, dass sie Ideologien aus der Vergan-
genheit aufnehmen und in einen akuten
Gegensatz stellen, der den „Wahnsinn des
Andersdenkenden“ vom „Gesunden“ schei-
den helfen soll. Zwischen diesen Räumen
der alten und neuen Theorien entstehen in
den Heterotopien selbstständige Gedan-
kengebäude, deren Argumentationsweise
in die Alltagssprache übergeht. In diesen
Gegensätzen bilden sich die Samen neuer
Erkenntnis-Systeme mit ihren Herrschafts-
ansprüchen an den jeweils aktuellen
Diskurs. Ihre Radikalität beziehen die
Episteme aus dem Wunsch nach Erkennt-
nis, nach einem Weg im Dickicht des
Denkapparats des modernen Menschen,
ähnlich dem Begriff des „Paradigmen-
wechsels“ von Kuhn (1962), der einen
plötzlichen Wandel der Wahrnehmung
28 sternzeit 49/2011
cken“ vorschreiben wollen. Macht ist für
Foucault immer produktiv und gegenseitig
bedingt, sie kreiert die Subjekte ihrer
Unterdrückung selbst. Nur in der „Diffé-
rance“, in der Unterscheidung des Diskur-
ses sind jene kleinen Nischen des Daseins
möglich, die ein Menschsein bewahren
und eine nicht-direktive, individuelle Sicht-
weise auf „die Dinge“ möglich machen.
Dabei gibt es nach Foucault keine „Dinge
an sich“. Allein der Diskurs konstituiert die
Gegenstände, wie wir sie sehen. Eine klare
Absage an den Kant’schen „kategorischen
Imperativ“ und die „platonischen Ideen“
eines „idealen“ Menschen. Die Idee einer
Tugend ist eine Falle, weil die Vorgabe
humanistischer Zwecke zu dem Para-
doxon führt, dass noch die menschenver-
achtendsten Systeme wie der Faschismus
und Stalinismus ihre „für den Menschen
gemachten“ Ideale hatten. Dies hatte
schon Nietzsche klar vorausgesehen. Nur
die konsequente Dekonstruktion der
Sprache und das Aufzeigen der jeweiligen
Machtsymbole im aktuellen Diskurs füh-
ren zur Umgehung der Paradoxie. Außer-
halb der Argumente des Diskurses und
ihrer Herrschaft gibt es keine relevante
Wirklichkeit. Deshalb spricht Foucault
nicht von den Systemen selber, sondern
von der Macht der Zeichen und der Not-
wendigkeit, sich der Macht dieser Symbo-
le zu erwehren, um in der „Différance“ die
eigene Bedeutung und Identität zu be-
wahren. Die aufgeführten Episteme sind
Beispiele dafür, wie Symbole die Richtung
des Diskurses bestimmen können.
Der Kern der Bedeutungen, der in den
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 2629sternzeit 49/2011
kennzeichnet. Erkenntnis geht nach
Foucault immer schon eine Einflussnahme
von Interessengruppen voraus; im „neuen
Zeitalter“ ist dies vor allem die radikale
Verneinung aller das Subjekt künstlich
erhöhenden Gedanken des herrschenden
Wissens-Systems. Die Forderung nach
kausaler Ableitung aus den definierten
Epistemen der herrschenden Erkenntnis-
theorie gibt vor, wie der Mensch zu den-
ken hat, um Mensch im Sinne der getrof-
fenen Definition zu sein.
Die folgenden Episteme sind rückwärts
konstruierte Denksysteme, die auf histori-
sche Vorbilder zurückgreifen und deren
Ursprung durch den historischen Bezug
die wissenskonstituierende Bedeutung
erhält. Zum Beispiel sind Anschauungen
einer Relativität von Zeit und Raum schon
lange vor Einstein diskutiert worden; ab
1900 werden sie zumeist in Bezug auf die
allgemeine Relativitätstheorie besprochen.
Das Epistem repräsentiert ein Bündel von
Sichtweisen, die zu einem bestimmten
Zeitpunkt auf eine bestimmte Weise zum
herrschenden Faktor des Diskurses gewor-
den sind, auch wenn sie grundsätzlich
ganz anders hätten gedacht werden kön-
nen und gedacht worden waren.
1900
1. Psychoanalyse versus Behaviourismus
Episteme der „Psychiatrisierung der per-
versen Lust“, der „Deutung aus Traum
und Fehlhandlungen“, der „Herrschaft
des Über-Ich über das (magisch-weib-
lich-dämonische) Unbewusste“, die
„Kultivierung durch Triebverzicht“,
„kindliche Sexualität“, der „Repres-
sionshypothese“ [die seit Freud und vor
allem bei der Linken verbreitete
Annahme, dass der Aufsteige des
Bürgertums mit einer zunehmenden
Sexualunterdrückung erkauft wurde
und dass die Befreiung vom Kapitalis-
mus auch die Befreiung des „guten
Sex“ bedeuten würde…].
2. Art Nouveau versus Realismus.
Episteme der „Künstlichkeit der Sicht-
weise“, „Wahl der Perspektive“, der
„Verzierung der Massenware“ (Bing),
des „Simplicissimus“, der „Lebens-
Erkenntnis geht nach
Foucault immer
schon eine
Einflussnahme von
Interessengruppen
voraus, im „neuen
Zeitalter“ ist dies vor
allem die radikale
Verneinung aller das
Subjekt künstlich
erhöhenden
Gedanken des
herrschenden
Wissens-Systems.
reform“, des „Jugendstils“, der „Kunst-
formen der Natur“.
3. Relativitätstheorie versus Newton’sches
Weltbild (Hertz, Mach, Einstein)
Episteme der „Relativität von Zeit und
Raum“, des „Inertialsystems“, der
„absoluten Lichtgeschwindigkeit“, des
„Zwillings-Paradoxons“, der „Äquiva-
lenz von Masse und Energie“, der „Krüm-
mung des Raums“, des „Urknalls“.
4. Phänomenologie versus Pragmatismus
(Brentano, Mead, Husserl) Episteme der
„phänomenologischen Reduktion“, der
„Intentionalität und Einstellung in
Bezug auf den Gegenstand“, der „Kon-
stituierung des „Dings“ im Bewusst-
werdungs-Akt“, der „Epoché (Einklam-
merung) des Vorausgesetzten“, der
„eidetischen Variation“ (um das
„Wesen“ des Gegenstandes zu finden).
5. Analytische Philosophie versus Idealis-
mus (Frege, Russel, Moore, Peirce).
Episteme der „Sprachanalyse“, der „Kate-
gorienfehler“, der „formalen Logik“.
6. Fortschrittsglaube versus Tradition.
Episteme des „Allheilmittels Technik“,
der „Ford‘schen Fließbänder“, des
„Dampfmaschinenzeitalters“, der „Ratio-
nalisierung der Arbeitsabläufe“, der
„Arbeitsteilung“, „Petrochemie“, der
Medien des Radios und Films, der „Elek-
trifizierung“, der „Röntgenstrahlung“.
7. Lebensphilosophie versus Technik
(Tolstoi, Bergson, Haeckel, Tönnies)
Episteme der „Wandervögel“, der
„Freikörperkultur“, der „Reformpäda-
gogik“, der „Lebenskraft“, des „Monis-
mus“, des „Pazifismus“, der „Gestalt-
theorie“.
8. Pragmatismus versus Konzeptualismus
(Dewey, James, Mead, Morris, Peirce)
Episteme der „Korrespondenztheorie“,
der „Konsenstheorie der Wahrheit“, des
„Utilitarismus“, des „wandelbaren Ver-
haltens“, des „Arbeits- und Bildungs-
wissens“.
1930
1. Ontologischer Reduktionismus versus
Phänomenologie (Heidegger, Merleau-
Ponty) Episteme der „Einheit zwischen
Sein und Seiendem“, der „Überwin-
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 27dung der Subjekt-Objekt-Spaltung“,
der „Ambiguität des Leibes“, der „Ver-
mittlung des Intellektuellen“, der
„ontologischen Differenz“.
2. Kybernetik versus statischer Funktiona-
lismus (Bertalanffy, Ashby, Foerster,
Wiener) Episteme der „organisierten
Komplexität“, der „Vernetzung und
Wechselwirkung“, der „offenen Syste-
me“, des „Fließgleichgewichts“, der
„Selbstorganisation“, der „Spieltheo-
rie“, der „statistischen Mechanik“.
3. Selbsthilfegruppen versus Gesundheits-
industrie (Anonyme Alkoholiker, östli-
che Methoden, Sexpol) Episteme der
„Hilfe zur Selbsthilfe“, des „Anonymi-
tätsprinzips“, des „aktiven Zuhörens“,
des „Verzichts auf Ratschläge“, der
„Autonomie der Gruppe“, der „fehlen-
den Leitung“, des „Ausdruckstanzes“.
4. Existentialismus, Dadaismus, Surrealis-
mus versus Realität (Sartre, Camus,
Breton) Episteme des „sinnfreien Raums“,
der „Nicht-Existenz von allem“, der
„Auflösung im Akt“, der „Zweifel am
Individuum“, des „Method Acting“
(Strasberg).
5. Quantenphysik versus klassische Physik
(Heisenberg, Bohr, Pauli) Episteme der
„Unschärferelation“, des „Welle/Teil-
chen-Dualismus“, der „Wahrscheinlich-
keitswolken“, der „vereinheitlichten
Feldtheorien“.
6. Symbolischer Interaktionismus versus
Psychologismus. Episteme des „nach-
ahmenden Rollenspiels“, der „regel-
rechten Kooperation“, der „Interpre-
tationsprozesse“, der „Konstituierung
durch Interaktion“, der „symbolischen
Vermittlung“, des „signifikanten ande-
ren“, des „Machtgefälles“, der „perma-
nenten Interaktion“, der „emotionalen
Besetzung“.
7. Epistemologie versus Behaviourismus
(Piaget, Inhelder) Episteme der „Assi-
milation und Akkomodation“, der
„Objektpermanenz“, der „Reversi-
bilität“, des Äquilibrationsprinzips“,
der „Stufentheorie des moralischen
Bewusstseins“.
8. Logischer Empirismus versus Meta-
physik (Feigl, Wittgenstein, Carnap,
Tarski, Reichenbach) Episteme der
„Reduktion auf Beobachtungssätze“,
des „Sinnkriteriums“, der „theoreti-
schen Terme“, der „neuen Sachlich-
keit“, des „Linguistic Turn“ , des
„Aufbaus der Welt in der Sprache“, der
„Emergenz“.
9. Bauhaus versus „Verfremdung“
(Gropius, van der Velde, Kandinsky,
Moholy-Nagy, van der Rohe) Episteme
Die folgenden
Episteme sind
rückwärts konstru-
ierte Denksysteme,
die auf historische
Vorbilder zurück-
greifen und deren
Ursprung durch den
historischen Bezug
die wissens-
konstituierende
Bedeutung erhält.
30 sternzeit 49/2011
18./19.Februar 2012: Friedel Roggenbuck: Am Puls der Zeit –
Zeitgeist, astrologische Generationen und die Evolution des Bewusstseins
ASTROLOGIE-ZENTRUM BREMEN · Uhlandstr. 2 ·D–28211 Bremen
Telefon 0421–70 08 70·Internet: www.astrologie-zentrum-bremen.de
Die großen Zyklen
Uranus, Neptun & Pluto, Pulsgeber für Evolution, Revolution und persönliches Wachstum
– eine Standortbestimmung
Vom Mea Culpa bis zum Halleluja
Die Rolle der äußeren Planeten in unserer persönlichen Entwicklung. Bewusstseins-
stufen, Kraftquellen & Lernschritte.
Alle in einem Boot
Die kollektiven Prägungen der Neptun/Pluto-Generationen, ihre Aufgaben und Paradigmen.
Die Macht der kollektiven Archetypen
Astro-soziologische Faktoren, die unsere globale Zukunft gestalten. Der arabische
Frühling wurde durch die Pluto/Skorpion-Gruppe initiiert. Was tun die Pluto-Löwen im
Altersheim?!?
Friedel Roggenbuck ist Begründer des ASTRODRAMAS und des ARCHETYPEN
ERLEBENS. 30 Jahre astrologische Aufstellungen. Er ist Spezialist für astrologische
Generationsthemen, Konstellationsforschung und für die Verbindung von Astrologie mit
Musik und spirituellen Themen.
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 28des „Funktionalismus“, der „Klassischen
Moderne“, der „Neuen Sachlichkeit“, des
„Internationalen Stils“, des „Neuen
Bauens“, der “Ästhetik des Historismus“,
der „Formensprache“, der „Arbeits-
gemeinschaft zwischen Künstler und
Handwerker“.
1966
1. Emanzipation und Mitbestimmung
versus Gouvernementalität. Episteme
der „Frauenbewegung“, der „freien
Liebe“, der „Gleichberechtigung“, des
„Paradigmenwechsels“, der „integralen
Denkweisen“, der „sexuellen Revolu-
tion“, der „“Bewusstseinserweiterung“,
der „Legalisierung von Homosexu-
alität“, der „Verhütungsmittel“.
2. Ordoliberalismus versus Planwirtschaft.
Episteme des „Keynesianismus“, der
„statistischen Erfassung“, der „compu-
tergesteuerten Warenverwaltung“, des
„Wohlstands für alle“, des „notwendi-
gen Wachstums“, des „Deficite Spen-
ding“, des „Homo Ökonomikus“
(Dahrendorf).
3. Körperpsychotherapie versus Intellek-
tualisierung (Encounter, Gestalt-, Pri-
mär-, Vegeto-Therapie, Bioenergetik)
Episteme der „Verneinung von Einzel-
wahrnehmungen“, des „Gewahrseins“,
des „dialogischen Prinzips“, der „soma-
tischen Marker“ (Damasio), der „Bio-
resonanz“, der „Selbsterfahrung“.
4. Rock’n‘Roll versus Volksmusik.
Episteme des „Sex, Drugs and Rock’n‘
Rolles“, des „Rechts auf Rausch“, der
„Beat-Generation“, des „Ventils gesell-
schaftlicher Zwänge“, der „ethnischen
Integration“, der „Weltjugendkultur“.
5. Aktionskunst versus Bildende Kunst.
Episteme der „sozialen Plastik“ und des
„Fluxus“ (Happening zur Synthese von
„unkreativen Strukturen“, wie z.B.
Eurasienstab), der „Reproduktions-
kunst“ und „Factory“ (Warhol), der
„Mitscherlich-Aktion“ (Imhoff), „Howl“
(Ginsberg), der „Situationistischen Inter-
nationale“.
6. Poststrukturalismus versus Epistemo-
logie (Foucault, Lacan, Delleuze,
Derrida, Barthes) Episteme der „Gou-
vernementalität“, „Bio-Macht“, „Dis-
kursanalyse“, der „Dekonstruktion“,
der „Differenzierung“, der „Herr-
schaftsformen der Sprache“, des
„Großen Anderen“.
7. Kritische Theorie versus totalitären
Humanismus. Episteme des „eindimen-
sionalen Menschen“ (Marcuse), der
„Kulturindustrie“ (Adorno), des „Haben
und Seins“ (Fromm), der „Faschismus-
skala“ (Horkheimer), der „repressiven
Toleranz“ (Marcuse), der „Banalität des
Bösen“ (Arendt).
8. Radikaler Konstruktivismus versus
Fachabgrenzung (Watzlawick, Varela,
Foerster, Glaserfeld) Episteme der
„symmetrischen und komplementären
Kommunikation“, der „Interdisziplinari-
tät“, der „Double-Binds“, der „Inter-
punktiertheit der Kommunikation“, der
„paradoxen Botschaften“, der „Kyber-
netik 2. Ordnung“, der „Beobachtung
des Beobachters“, der „Autopoiesis“.
1990
1. Ökologie versus Ökonomie. Episteme
der „Nachhaltigkeit“, „geschlossenen
Kreisläufe“, „endlichen Naturressour-
cen“, „Tierschutzrechte“, der „Perma-
kultur“, des „Fair Trade“, der „Bio-
labels“, der “Naturheilkunde“, des
„Gelben Sacks“, des „Green-Washing“,
des „Emissionshandels“, der „Klima-
katastrophe“.
2. Theorienpluralismus versus kritischer
Rationalismus (Feyerabend, Sloterdijk,
Safranski, Kuhn) Episteme der „Anti-
regel“, der „Trennung von Staat und
Wissenschaft“, der „Inkommensura-
bilität“, der „poetischen Hermeneutik“.
3. Vernetzung lokaler Projekte versus
Globalisierung. Episteme der „NGO’s“,
der „Dezentralisierung“, der „lokalen
Einheiten“, der „Selbstversorgung“, des
„Gemeinschaftsgedankens“, der „offe-
nen Gesellschaft“, des „Subsidiaritäts-
prinzips“.
4. New Age versus Religion. (Familien-
stellen, Lichtarbeit, Gemeinschaften,
Schamanismus) Episteme der „Einen
Welt“, des „morphogenetischen Fel-
des“, der „Wendezeit 2012“, des
Das Epistem
repräsentiert ein
Bündel von
Sichtweisen, die zu
einem bestimmten
Zeitpunkt auf eine
bestimmte Weise
zum herrschenden
Faktor des Diskurses
geworden sind,
auch wenn sie
grundsätzlich ganz
anders hätten
gedacht werden
können und gedacht
worden waren.
31sternzeit 49/2011
Sternz49Inh 10.11.2011 10:46 Uhr Seite 29„Aufstiegs der Menschheit“, der „Ord-
nungen der Liebe“, des „senkrechten
Weltbildes“, des „Atlantismythos“, der
„psychologischen Astrologie“.
5. Soziologische Systemtheorie versus the-
rapeutische Sozialpädagogik (Luhmann)
Episteme der „binär codierten Kommu-
nikationsmedien“, der „doppelten Kon-
tingenz“, der strukturellen Kopplung“,
der „Kommunikation der Kommuni-
kations-Systeme“.
6. Neue Kommunikationstechniken versus
autoritärer Führungsstil. Episteme der
„gewaltfreien Kommunikation“ (Rosen-
berg), der „4 Ohren“ (van Rohr), der
„Mediation“, des „Coaching“, der „Inte-
gration“, der „Kommunikation auf
Augenhöhe“, der „multikulturellen Ge-
sellschaft“, der „Teamarbeit“.
Diese Aufzählung ist natürlich unvollstän-
dig. Die eigentliche Arbeit liegt in dem
Vergleich der Konstellationen in Rekon-
struktion der astrologischen Bedeutung.
Eine etwaige Frage wäre: Wie hat sich die
unterschiedliche Zeichenbesetzung der
Saturn/Uranus-Opposition 1930 und 1966
in Bezug auf das Thema Autoritätskon-
flikte ausgewirkt? Dieser Artikel stellt nur
eine Anregung zur Weiterarbeit dar.
Der Sichtwinkel aus der des nie direkt
zu verstehenden Anti-Hegelianers, Anti-
Hermeneutikers und Anti-Strukturalisten
Foucault ist nicht immer leicht nachzuvoll-
ziehen und stellt einen vor problematische
Widersprüche, die aber der Intention
Foucaults entsprechen, jedem „Systema-
tiker“ ans Herz zu legen, die gegebenen
Strukturen grundsätzlich zu hinterfragen.
Die Episteme für 2010 können noch nicht
angegeben werden, da diese sich gerade
erst entwickeln. Die Ereignisse in den ara-
bischen Staaten, in Fukushima und ihre
Auswirkungen auf die deutsche Politik
scheinen in die Richtung Gesundheit, un-
gezwungenes, gesellschaftliches Mitein-
ander und Revival des Spirituellen zu
gehen, das als Gegenteil des ökonomisch-
taxierenden Denkens aber weiterhin in
dieser Periode der Menschheit vom offizi-
ellen Wissensbetrieb wohl ausgeschlossen
bleiben wird. Die nächste Opposition von
Chiron und Neptun, die wiederum mit
einer Konstellation aus Saturn/Uranus/
Pluto einhergeht, ist erst im Jahre 2049,
und es ist schwierig vorauszusagen, wel-
ches Thema dann die Welt bewegt. In den
Zeichen Stier und Skorpion kehren Neptun
und Chiron auf das Thema Haben und
Sein zurück, während das T-Quadrat von
Saturn/Uranus/Pluto von 2044–2049 wie-
der wie 1930 und 2010 auf einem
Zeichenwechsel stattfindet und starke
ökonomische Veränderungen bringt. Der
Wechsel von Pluto in das Zeichen Fische
zeigt eine Verstärkung dualistischer Welt-
bilder an und damit einen Wunsch nach
Synthese und einer „Weltkultur“, die je-
dem Menschen die Möglichkeit zur
Verwirklichung seiner Potenziale gibt.
Quellennachweis
1) Michel Foucault, Lehrsätze 1978, S.119
2) Foucault kämpfte für Gleichberechtigung
der Geschlechter, Verbesserung der
Verhältnisse in Gefängnissen und setzte
sich u.a. auch für Solidarnosc und die
iranische Revolution ein.
3) Michel Foucault, Gesammelte Werke I,
S. 651
4) Michel Foucault, Die Hauptwerke,
2008, S. 403
5) Henri Ellenberger, Die Entdeckung des
Unbewussten: Geschichte und Entwicklung
der dynamischen Psychiatrie von den
Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und
Jung, 1973
6) Auch die Psychoanalyse gerät in die Kritik
Foucaults, ein Abhängigkeitsverhältnis des
„Kranken“ zu einer väterlichen Figur zu
schaffen
7) Darwin verwehrte sich auch gegen die
Vereinnahmung und Vereinfachung seiner
Theorie durch Marx.
8) Michel Foucault, Überwachen und Strafen,
S. 112
9) http://www.die-grenze.com/index.html?
10) Michel Foucault, Die Geburt der Klinik
11) Michel Foucault, Der anthropologische
Zirkel, 2003, S. 21
12) Michel Foucault, Wahnsinn und Ges

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